Cloud-Migration für KMU: In 6 Schritten sicher in die Cloud

Rund jedes zweite Unternehmen in Österreich mit mindestens zehn Beschäftigten nutzt bereits kostenpflichtige Cloud-Dienste, zeigen die aktuellen Zahlen von Eurostat für 2025. Am häufigsten ziehen E-Mail, Office-Programme und die Dateiablage in die Cloud. Doch eine Cloud-Migration ist mehr als ein Datenumzug: Wer ohne Plan startet, kämpft danach mit fehlenden Dateien, falschen Berechtigungen und verärgerten Mitarbeitern. Dieser Ratgeber zeigt in sechs Schritten, wie kleine und mittlere Unternehmen den Umstieg sicher planen und ohne Betriebsunterbrechung umsetzen.

Inhaltsverzeichnis

Was Cloud-Migration bedeutet – und was nicht

Bei einer Cloud-Migration werden Daten, Programme oder ganze Server aus dem eigenen Büro in ein Rechenzentrum verlagert, das über das Internet erreichbar ist. Das kann ein Dienst wie Microsoft 365 sein, eine Branchensoftware als Online-Version oder ein virtueller Server in einem Rechenzentrum.

Wichtig: Cloud-Migration heißt nicht, dass alles in die Cloud muss. In vielen KMU ist am Ende ein Mix die beste Lösung – E-Mail und Dateien in der Cloud, eine spezielle Software weiterhin auf einem Server. Ob ein eigener Server für Sie noch sinnvoll ist, beleuchtet unser Vergleich Office 365 vs. eigener Server.

1. Bestandsaufnahme: Was läuft heute wo?

Am Anfang steht eine ehrliche Liste Ihrer IT. Nur wer weiß, was er hat, kann entscheiden, was umziehen soll:

  • Server und Dienste: Mailserver, File-Server, Datenbanken, Druckserver, Telefonanlage.
  • Programme: Warenwirtschaft, Buchhaltung, Branchensoftware – mit Version und Hersteller.
  • Daten: Wie viele Gigabyte liegen wo? Welche Ordner werden noch genutzt?
  • Abhängigkeiten: Welche Programme greifen auf welche Daten zu? Gibt es Excel-Dateien mit Verknüpfungen zu anderen Dateien, Makros oder Schnittstellen?
  • Verträge und Lizenzen: Was läuft wann aus, was lässt sich übertragen?

Diese Liste ist auch ohne Cloud-Pläne Gold wert: Sie ist die Grundlage für jeden Notfallplan und jede IT-Budgetplanung.

2. Ziel festlegen: Was zieht wohin?

Für jedes System aus der Bestandsaufnahme gibt es im Wesentlichen vier Möglichkeiten:

  1. Durch einen Cloud-Dienst ersetzen: Der Mailserver wird zu Exchange Online, der File-Server zu SharePoint und OneDrive. Das ist für KMU meist der einfachste und wirtschaftlichste Weg – welcher Plan passt, zeigt unser Leitfaden zu Microsoft 365 für Unternehmen.
  2. Auf die Cloud-Version der Software wechseln: Viele Hersteller von Buchhaltungs- und Branchensoftware bieten inzwischen Online-Versionen an. Fragen Sie nach – und prüfen Sie, ob alle Funktionen enthalten sind.
  3. Server in ein Rechenzentrum verlagern: Programme, die nicht umgestellt werden können, laufen auf einem virtuellen Server im Rechenzentrum weiter – ohne eigene Hardware im Büro.
  4. Vor Ort behalten: Für Systeme, die direkt mit Maschinen, Kassen oder Geräten verbunden sind, oder für sehr große Datenmengen kann der lokale Betrieb die bessere Wahl bleiben.

Legen Sie außerdem die Reihenfolge fest. Bewährt hat sich, mit einem überschaubaren System zu beginnen – oft E-Mail – und die kritischen Programme erst umzustellen, wenn das Team erste Erfahrungen gesammelt hat.

Drei Kollegen planen am Besprechungstisch mit Laptop und Unterlagen die nächsten Schritte der Cloud-Migration

Lassen Sie uns Ihre Cloud-Migration gemeinsam planen.

3. Datenschutz und Sicherheit klären

Mit der Cloud geben Sie Daten an einen Dienstleister. Die DSGVO verlangt dafür einen Auftragsverarbeitungsvertrag nach Art. 28, den seriöse Anbieter standardmäßig bereitstellen. Prüfen Sie außerdem:

  • Wo werden die Daten gespeichert? Rechenzentren in der EU oder in Österreich vereinfachen die rechtliche Bewertung. Microsoft speichert die Daten europäischer Geschäftskunden im Rahmen der EU Data Boundary grundsätzlich in der EU.
  • Werden Daten in Drittländer übertragen? Übermittlungen in die USA sind derzeit über das EU-US Data Privacy Framework abgesichert. Der Rahmen wird allerdings rechtlich weiter angefochten – ein Grund mehr, auf einen EU-Speicherort zu achten.
  • Wer hat Zugriff? Legen Sie Berechtigungen bewusst neu fest, statt alte Freigaben ungeprüft zu übernehmen.
  • Wie werden Anmeldungen geschützt? Mehrfaktor-Authentifizierung ist in der Cloud Pflicht, denn die Zugänge sind von überall aus dem Internet erreichbar.

Auch Backups bleiben Ihre Aufgabe. Cloud-Anbieter sichern ihre Infrastruktur, für die Wiederherstellung versehentlich gelöschter oder verschlüsselter Daten sind aber Sie verantwortlich. Wie eine Sicherung richtig aufgebaut ist, zeigt der Leitfaden zur Datensicherung für Unternehmen.

4. Internet und Netzwerk vorbereiten

Nach der Migration ist die Internetleitung Ihre wichtigste IT-Verbindung. Prüfen Sie vor dem Umstieg:

  • Bandbreite, vor allem im Upload: Viele Büroanschlüsse sind im Download schnell, im Upload aber langsam. Das bremst beim Speichern großer Dateien und bei Videokonferenzen.
  • Ausfallsicherheit: Eine zweite Internetleitung oder eine mobile Ausweichverbindung verhindert, dass ein Leitungsausfall den ganzen Betrieb lahmlegt.
  • Firewall und WLAN: Beide müssen die zusätzliche Last tragen und sicher konfiguriert sein.

Planen Sie hier großzügig. Eine zu knappe Leitung ist der häufigste Grund, warum Mitarbeiter mit der Cloud unzufrieden sind.

IT-Techniker arbeitet abends im Büro an mehreren Bildschirmen am Datenumzug in die Cloud

5. Daten aufräumen, testen und umziehen

Ein Umzug ist die beste Gelegenheit zum Ausmisten. Alte Projektordner, doppelte Dateien und Daten ehemaliger Mitarbeiter müssen nicht mit – das spart Zeit und Speicherplatz. Achten Sie besonders auf diese Stolpersteine, die auch Microsoft in seinem Migrationsleitfaden nennt:

  • Zu lange Pfade und Sonderzeichen in Datei- und Ordnernamen können beim Umzug nach SharePoint und OneDrive Probleme verursachen.
  • Verknüpfungen in Dateien – etwa Excel-Tabellen, die auf andere Dateien verweisen – werden nicht automatisch angepasst.
  • Berechtigungen werden umgewandelt und sollten danach kontrolliert werden.

Bevor alle umsteigen, testet eine kleine Pilotgruppe die neue Umgebung. Den eigentlichen Umzug legen Sie idealerweise auf einen Freitagnachmittag oder ein Wochenende, damit am Montag alle mit dem neuen System starten. Für die Übertragung gibt es bewährte Werkzeuge, etwa den Migration Manager von Microsoft für Dateifreigaben. Behalten Sie die alten Systeme noch einige Wochen im Lesezugriff, falls etwas fehlt.

6. Mitarbeiter schulen und den Betrieb organisieren

Die beste Technik nützt wenig, wenn niemand weiß, wo die Dateien jetzt liegen. Planen Sie eine kurze Einschulung, eine einseitige Anleitung und eine Ansprechperson für die ersten Wochen. Klären Sie außerdem, wie es nach dem Umzug weitergeht:

  • Wer legt neue Benutzer an und entfernt ausscheidende Mitarbeiter?
  • Wer behält Lizenzen und laufende Kosten im Blick?
  • Wer prüft regelmäßig Sicherheitseinstellungen, Backups und Warnmeldungen?

Gerade diese laufenden Aufgaben werden gern unterschätzt. Eine Cloud-Umgebung muss genauso gepflegt werden wie ein Server – nur anders.

Typische Fehler bei der Cloud-Migration

  • Alles auf einmal umstellen: Ein Big Bang ohne Pilotphase führt fast immer zu Chaos am ersten Tag.
  • Alte Berechtigungen übernehmen: So landen vertrauliche Daten schnell bei den falschen Personen.
  • Internetleitung vergessen: Die Cloud ist nur so schnell wie Ihr Anschluss.
  • Kein Backup: Die Annahme „Der Anbieter sichert eh alles“ ist gefährlich.
  • Mitarbeiter nicht mitnehmen: Ohne Einschulung entstehen Schatten-Ablagen auf dem Desktop oder USB-Sticks.

Checkliste: Ihre Cloud-Migration auf einen Blick

  • Bestandsaufnahme aller Server, Programme, Daten und Abhängigkeiten liegt vor.
  • Für jedes System ist entschieden, ob es ersetzt, verlagert oder behalten wird.
  • Auftragsverarbeitungsvertrag, Datenstandort und Zugriffsrechte sind geklärt.
  • Mehrfaktor-Authentifizierung ist für alle Zugänge aktiv.
  • Internetleitung und Ausweichverbindung sind ausreichend dimensioniert.
  • Daten sind aufgeräumt, eine Pilotgruppe hat getestet.
  • Backup der Cloud-Daten ist eingerichtet.
  • Mitarbeiter sind eingeschult, Zuständigkeiten für den Betrieb sind festgelegt.

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Fazit & nächster Schritt

Eine Cloud-Migration gelingt, wenn sie als Projekt geplant wird: erst Bestandsaufnahme und Ziele, dann Datenschutz, Internet und Datenbereinigung, schließlich ein getesteter Umzug mit gut vorbereiteten Mitarbeitern. Nicht jedes System muss in die Cloud – aber jedes braucht eine bewusste Entscheidung. Wer Schritt für Schritt vorgeht, profitiert von flexiblerem Arbeiten und weniger Hardware im Büro, ohne dass der Betrieb stillsteht.

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Antworten auf Ihre Fragen zur Cloud-Migration

Frequently Asked
Questions

Wie lange dauert eine Cloud-Migration in einem KMU?

Das hängt von Datenmenge, Anzahl der Systeme und Vorbereitung ab. Die Umstellung von E-Mail und Dateiablage für ein kleines Team ist oft in wenigen Wochen inklusive Planung und Pilotphase erledigt. Kommen Branchensoftware oder Server hinzu, sollten Sie mit einigen Monaten rechnen.

Ja. Voraussetzung sind ein Auftragsverarbeitungsvertrag mit dem Anbieter, ein geklärter Speicherort – idealerweise in der EU oder in Österreich –, sauber vergebene Zugriffsrechte und Schutzmaßnahmen wie Mehrfaktor-Authentifizierung. Dokumentieren Sie diese Punkte im Verzeichnis Ihrer Verarbeitungstätigkeiten.

Nein. Viele KMU kombinieren Cloud-Dienste für E-Mail und Dateien mit einem Server für Branchensoftware oder angeschlossene Geräte. Dieser Server kann im Büro bleiben oder in ein Rechenzentrum umziehen. Entscheidend ist, dass jedes System bewusst eingeplant wird.

Ohne Internet ist der Zugriff auf Cloud-Dienste eingeschränkt. Dateien, die mit OneDrive auf dem Gerät gespeichert sind, bleiben verfügbar und werden abgeglichen, sobald die Verbindung zurück ist. Eine zweite Internetleitung oder eine mobile Ausweichverbindung sorgt dafür, dass der Betrieb weiterläuft.